Infrastruktur: Die Investitionslücke braucht privates Kapital 

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zuletzt aktualisiert24.09.2026
Sonnenaufgang über nebligem Feld mit Baum und Strommast im Vordergrund.

Die Bundesregierung stellt erhebliche Mittel für Sanierung und Ausbau der Infrastruktur bereit, allein das „Sondervermögen“ summiert sich auf 500 Milliarden Euro. Ungeachtet aller politischen Diskussionen ist das ein erheblicher Schritt. Doch Digitalisierung, Energie- und Wärmewende, Schienen- und Straßenverkehr oder soziale Infrastruktur erfordern dauerhaft hohe Investitionen. Öffentliche Mittel allein werden das nicht leisten können. Privates Kapital kann deshalb einen wichtigen Teil der Finanzierung übernehmen und somit einen Teil der Lücke zwischen öffentlichem Investitionsbedarf und tatsächlich verfügbaren staatlichen Mitteln schließen.

Infrastruktur kann damit sowohl einen volkswirtschaftlichen Beitrag leisten als auch eine sinnvolle Funktion in den Portfolios übernehmen: Für institutionelle Investoren ist sie eine eigenständige Anlageklasse mit spezifischen Vorteilen. Viele Geschäftsmodelle basieren auf langfristigen Nutzungs-, Miet- oder Abnahmeverträgen und damit auf vergleichsweise gut prognostizierbaren Cashflows. Je nach Vertragsstruktur können Erträge an die Preisentwicklung gekoppelt sein. Hinzu kommen ein häufig ausgewogenes Risiko-Rendite-Profil und eine vergleichsweise geringe Korrelation mit liquiden Assetklassen.

Was unter Infrastruktur fällt, ist deutlich breiter als Straßen, Schienen oder Energieerzeugung. Dazu gehören etwa Mobilfunkmasten, Glasfasernetze, Speicher, Strom- und Wärmenetze, Rechenzentren oder soziale Infrastruktur. Auch Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen können wirtschaftlich Infrastrukturinvestments sein, wenn deren Geschäftsmodell auf der Bereitstellung solcher essenziellen Leistungen beruht.

Zwei Beispiele dafür sind die bisherigen Investments des Infrastruktur-ELTIF infraVest aus dem Hause der Commerz Real. Mit ATC Europe ist der Fonds an einem der führenden europäischen Funkturmbetreiber beteiligt. Das Unternehmen verfügt über mehr als 30.000 Standorte, davon rund 15.000 in Deutschland. Mobilfunkmasten sind ein gutes Beispiel für digitale Infrastruktur: Sie bilden die physische Grundlage für steigende Datenvolumina und werden über langfristige Nutzungsverhältnisse von Mobilfunkunternehmen bewirtschaftet. Und sie sind ein gutes Beispiel für eine notwendige Infrastruktur, die üblicherweise gänzlich ohne öffentliche Mittel errichtet und betrieben wird, die es ohne Privatkapital also womöglich gar nicht gäbe. 

Das zweite Investment ist eine Beteiligung am Münchner Schienenfahrzeuganbieter Railpool. Das Unternehmen vermietet im Full-Service-Modell rund 500 elektrische Lokomotiven an private und staatliche Bahnbetreiber in Europa. Infrastruktur bedeutet hier also nicht die Schiene selbst, sondern das rollende Material, das für einen leistungsfähigeren und klimafreundlicheren Bahnverkehr benötigt wird. Ergänzend spielen hybride Lokomotivkonzepte dort eine Rolle, wo Strecken oder Rangierbereiche nicht durchgehend mit Oberleitungen elektrifiziert sind.

Bei beiden Investments handelt es sich wirtschaftlich zunächst um Eigenkapitalbeteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Gleichzeitig stellen diese Unternehmen unmittelbar Infrastruktur bereit. Die Beispiele zeigen damit, dass die Grenzen zwischen Private Equity und Infrastruktur fließend sein können.

Ein weiterer Ansatzpunkt liegt in der Energieinfrastruktur – unabhängig vom infraVest. Zum 1. Januar 2027 übernimmt die Commerz Real das Fondsmanagement des Pangaea Life Blue Energy. Der Fonds investiert bislang vor allem in Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie Energiespeicher. Künftig sollen auch Netze und weitere energienahe Infrastruktur stärker in den Fokus rücken. Denn zusätzliche Erzeugungskapazität allein reicht für die Energiewende nicht aus. Strom muss ebenso gespeichert, transportiert und bedarfsgerecht verfügbar gemacht werden.

Unsere Einschätzung

Der Staat hat seine Investitionsambitionen deutlich erhöht. Institutionelles Kapital kann und sollte die öffentliche Finanzierung dabei nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen. Wo verlässliche Rahmenbedingungen und langfristig tragfähige Geschäftsmodelle bestehen, kann es einen Teil der Lücke zwischen politischem Investitionsanspruch und tatsächlich realisierbaren Projekten schließen. Für institutionelle Anleger eröffnet sich damit zugleich ein Spektrum, das weit über klassische Verkehrs- und Energieprojekte hinausgeht.