Jan, was macht ein Senior Technical Asset Manager im Bereich erneuerbare Energien eigentlich den ganzen Tag?
„Im Kern geht es darum, den technischen und wirtschaftlichen Wert unserer Bestandsanlagen langfristig zu sichern und gezielt weiterzuentwickeln – sowohl in Deutschland als auch international.
Konkret überwache ich die Performance unserer Windparks, koordiniere Betriebsführer und technische Dienstleister und steuere die optimale technische Bewirtschaftung unseres Portfolios. Gemeinsam mit dem Team entwickle ich Strategien, um die technische Leistungsfähigkeit der Anlagen kontinuierlich zu verbessern, Stillstände zu reduzieren und gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Begleitung genehmigungsrechtlicher Anforderungen aus technischer Sicht. Auch bei Transaktionen spielt meine Rolle eine zentrale Funktion: Ich bereite technische Daten auf und unterstütze den Q&A-Prozess bei An- und Verkäufen.
Kein Park ist wie der andere, kein Regulierungsrahmen identisch – genau das macht die Aufgabe spannend und fordert jeden Tag aufs Neue. "
Als Senior Technical Asset Manager braucht man einen G41-Schein. Warum?
„Zur Rolle gehört es, Anlagen regelmäßig selbst zu besichtigen, ihren Zustand vor Ort technisch zu bewerten und Optimierungspotenziale zu identifizieren. Das ist vom Schreibtisch aus nicht möglich.
Voraussetzung für Tätigkeiten in der Höhe ist in Deutschland die arbeitsmedizinische Eignungsuntersuchung nach G41, die sicherstellt, dass man körperlich und psychisch für diese Aufgaben geeignet ist. Ich habe diese Höhentauglichkeit und war bereits auf zahlreichen Anlagen unterwegs.
Der Aufstieg im Turm per Fahrkorb, die letzten Meter zur Gondel über die Leiter oder Arbeiten auf dem Gondeldach – hier muss jeder Handgriff sitzen. Auch eine mögliche Evakuierung muss jederzeit beherrscht werden. Deshalb gehören jährliche Höhenrettungslehrgänge und regelmäßige Eignungsuntersuchungen fest zu unserem professionellen Anspruch. "
Was siehst du oben, was kein Gutachten zeigt?
„Meine Aufgabe ist es, den Gesamtüberblick zu behalten: externe Gutachter gezielt zu steuern, ihnen den passenden Input zu liefern und ihre Ergebnisse fachlich einzuordnen sowie umzusetzen.
Wenn ich selbst an unseren Assets unterwegs bin, kann ich Erkenntnisse aus dem gesamten Anlagenkontext unmittelbar nutzen:
Was ist die Historie eines Schadens? Wo liegt die Ursache? Wer trägt die Verantwortung? Gibt es Gewährleistungsansprüche?
Die Kombination aus eigener technischer Erfahrung vor Ort und der Expertise externer Gutachter ist oft deutlich wertvoller als ein isolierter Bericht. Sie bildet die Grundlage für fundierte Verhandlungen mit Betriebsführern, Herstellern und Serviceunternehmen.
Diese Erkenntnisse fließen direkt in unsere Financial Models zurück. Je besser wir unsere Anlagen verstehen, desto fundierter sind unsere Entscheidungen – auch für zukünftige Akquisitionen. "
Was macht deine Arbeit bei der Commerz Real besonders?
„Es ist die Kombination aus internationaler Portfoliobreite und echter Inhouse-Kompetenz. Wir managen erfolgreich Wind-, Photovoltaik- und weitere Infrastrukturinvestments in mehreren europäischen Ländern.
Dabei arbeiten wir eng mit internationalen wie lokalen Betriebsführern und Beratern zusammen. Diese Vielfalt eröffnet eine große Bandbreite an Lösungsansätzen und ermöglicht es, Best Practices über Ländergrenzen hinweg zu entwickeln und umzusetzen. Gleichzeitig prägen Teamgeist, fachlicher Austausch und ein hohes Maß an Eigenverantwortung unsere tägliche Zusammenarbeit.
In meiner Senior-Rolle setze ich außerdem fachliche Standards, koordiniere Best-Practice-Formate und begleite die Einarbeitung neuer Kolleg:innen. Der Bereich entwickelt sich dynamisch: neue Märkte, neue Technologien, neue Assetklassen.
Nach fast 15 Jahren in der Branche kann ich sagen: Stillstand gibt es hier wirklich nicht – und genau das macht den Reiz aus. "