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Real Estate Debt Neue Chancen durch hybrides Finanzierungsumfeld

13.04.2026 5 Minuten Lesezeit

Das Zinsumfeld war für Immobilieninvestitionen in den vergangenen Jahren ein entscheidender Faktor. Auf den Zinsschock 2022/23 folgte eine Phase der Unsicherheit, schließlich der schrittweisen Zinssenkungen auf ein Niveau von zwei Prozent bei den Leitzinsen im Euroraum, welches zuletzt stabil war und von den meisten Marktteilnehmern als „neutraler Zins“ oder auch „new normal“ nach den Jahren der sehr niedrigen Zinsen eingestuft wurde. Das führte letztlich auch wieder zu einer größeren Zuversicht an den Immobilienmärkten.  

Mit den durch den Irankrieg bedingten Öl- und Gaspreisanstiegen wächst nun jedoch wieder die Ungewissheit bezüglich der künftigen Inflations- und Zinsentwicklung. Doch jenseits von solchen kurzfristigen Beobachtungen hat sich das Finanzierungsumfeld für Immobilieninvestitionen in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert: Es ist komplexer geworden, vielfältiger, kompetitiver – und damit vielleicht auch widerstandsfähiger?  

Schon vor dem Irankrieg galt, dass keine Rückkehr zu alten Mustern zu beobachten war, sondern sich ein breiteres und heterogeneres Marktbild herausgebildet hatte. Klassische Banken sind und bleiben darin wichtige Finanzierungspartner. Sie agieren jedoch selektiv und vorsichtig, nicht zuletzt regulatorisch bedingt, und nehmen nicht mehr jedes Risiko und jeden Beleihungsauslauf mit. Das bedeutet wie so oft für Investoren Herausforderung und Chance zugleich. 
Zunächst bleibt die Kreditvergabe für Gewerbeimmobilien eingeschränkt, höhere Margen und höhere Eigenkapitalanforderungen prägen vielerorts die Bedingungen. Viele Bestandsinvestments stehen zudem derzeit vor auslaufenden Finanzierungen und damit vor Prolongationen zu signifikant veränderten Bedingungen als vor fünf oder zehn Jahren. Besonders im großvolumigen Bürosegment ist der Refinanzierungsbedarf derzeit hoch. 

Doch inzwischen hat die Diversifikation der Finanzierungsquellen zugenommen. Alternative Kapitalgeber rücken stärker in den Vordergrund, darunter institutionelle Investoren wie Versicherungen mit Direct-Lending-Optionen oder spezialisierte Debt Funds beziehungsweise Private-Credit-Anbieter, die institutionelles (und inzwischen auch privates Kapital) für „Real Estate Debt“-Investments einsammeln. Institutionelle Investoren werden in den vergangenen Jahren vermehrt entsprechende Angebote vorgelegt bekommen haben, wobei es zuletzt aus Anlegersicht (vor allem im Retail-Segment) auch vereinzelt zu Schwierigkeiten gekommen ist. Mezzanine-Kapital ist auch weiterhin am Markt präsent und bei kritischen Finanzierungssituationen manchmal ein rettender Anker.  

Aus Investorensicht ist damit ein Finanzierungsmarkt entstanden, der mehr Optionen bietet als noch vor einigen Jahren. Neben klassischen Senior-Darlehen stehen heute auch alternative Debt-Strukturen und ergänzende Mezzanine-Bausteine zur Verfügung. Gleichzeitig haben sich die Anforderungen verändert. Investoren achten verstärkt auf robuste Finanzierungsstrukturen, konservativere Annahmen im Underwriting, mehr Eigenkapital, stabilere Cashflows und hohe Asset-Qualität. 

Unsere Einschätzung:

Der Finanzierungsmarkt hat sich heterogenisiert und zugleich professionalisiert. Das ist aus Investorensicht eine positive Botschaft, auch wenn mitunter der Strukturierungsaufwand steigt. Doch es verschafft größere Flexibilität und mehr Puffer gegenüber exogen verursachten Herausforderungen. Langfristig spricht vieles für einen hybriden Finanzierungsmarkt. Klar ist aber auch, dass klassische Banken dabei weiterhin die mit Abstand tragende Säule sein werden.