Was lässt sich an einem Windrad recyceln und was nicht?
Muss eine Windkraftanlage zurückgebaut werden, steht vor allem eine Frage im Raum: Was passiert mit dem alten Windrad? Diese Frage spielt aktuell eine große Rolle, da immer mehr Windräder in nächster Zeit das Ende ihrer geförderten Nutzungsdauer erreichen.
Diese Frage ist zum größten Teil recht einfach zu beantworten: zu rund 90 Prozent, um genau zu sein. Denn so groß ist der Anteil der Materialien einer Windkraftanlage, die sich gut recyceln und weiterverwenden lassen, ob für weitere Windkraftprojekte oder auch in anderen Industrien. Bei diesen 90 Prozent handelt es sich in erster Linie um den Windradturm: Er besteht vorrangig aus einer Betonbasis, die mit einer Stahlkappe ausgestattet wird. Beide Materialien lassen sich gut wiederverwerten, der Beton zum Beispiel wird häufig in gesplitteter, also in zerbröselter Form für den Straßenbau weiterverwendet. Und auch der Baustahl kann, wenn er keine Gebrauchsspuren oder Rost aufweist, ohne Probleme für weitere Bauprojekte genutzt werden.
Wirklich problematisch wird es erst bei den verbleibenden rund 10 Prozent der ganzen Windkraftanlage: den Rotorblättern. Sie bestehen aus einem komplexen Materialmix aus Balsaholz und Kunststoffen, die wiederum mit Glas- oder Karbonfasern verstärkt werden. Diese Materialien sorgen für Stabilität und Wetterfestigkeit im Betrieb, damit die Rotorblätter auch bei Geschwindigkeiten bis zu 400 km/h allen Witterungsbedingungen standhalten können.
Die Stabilität, die dieser Materialmix mit sich bringt, sorgt dann schließlich im Recyclingprozess für Schwierigkeiten: Denn für die Weiterverwertung der Rotorblätter müssten die Glas- und Karbonfasern wieder aus dem Kunststoff gelöst werden. Bislang gibt es dafür aber nur wenige und dafür sehr aufwendige und teure Methoden. Für viele Betreiber sind solche Verfahren darum häufig nicht die erste Wahl.
Deshalb wurde das Recycling-Problem bislang häufig ignoriert: Abmontierte Blätter blieben in manchen Fällen jahrelang ungenutzt auf Feldern liegen. In vielen anderen Fällen werden vor allem die glasfaserverstärkten Rotorblätter häufig als Ersatzbrennstoff genutzt oder im Ausland deponiert. Lösungen, mit denen Peter Kurth, Präsident des Entsorgungswirtschaftsverbandes BDE, gar nicht zufrieden ist. Er betrachtet diese Formen der Verwertung als ärgerliche Ressourcenverschwendung: „Die Wertstoffe müssen zurück in den Kreislauf, anstatt sie einfach nur zu verbrennen", so Kurth.
Eine Überblicksstudie des Umweltbundesamtes prognostiziert für die 2030er Jahre ein Rotorblatt-Abfallaufkommen von bis zu 50.000 Tonnen pro Jahr. Mit den Rotorblättern von Windkraftanlagen wird demnach eine große Menge Müll erzeugt, der aber eigentlich keiner sein müsste.
Organisationen wie der Entsorgungswirtschaftsverband oder der Bundesverband WindEnergie setzen sich deshalb aktiv für den Bau von Windrädern ein, die sich besser recyceln und in den Wertstoffkreislauf zurückführen lassen, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund eines nach wie vor steigenden Nachhaltigkeitsbewusstseins. Und darauf zahlt die Erzeugung nachhaltiger Windenergie schließlich ebenfalls ein.